In der September ‘94 Ausgabe von “imaging” wurden in der Coverstory Werke von Jean-Claude Wiedl unter dem Titel ››Gedächtnis-Tumulte‹‹ gezeigt, die mich sofort fasziniert hatten. Jetzt habe ich wieder einmal meine alten Archive durchgeblättert und bin erneut auf diese “Passagen” und “Raumbilder”, wie Wiedl sie nennt, gestoßen – die Faszination war noch immer da, so dass ich herausfinden wollte, was dieser “Künstler-Philosoph” heute macht, wie sich seine Arbeit entwickelt hat.
Jean-Claude Wiedl wurde 1949 in Clermont-Ferrand geboren, studierte Graphik und Malerei an der Fachhochschule Mainz, sowie Philosophie und Kunstgeschichte in Bochum, Mainz und Frankfurt. Seit 1973 lebt und arbeitet Wiedl in Wiesbaden. In seiner Tätigkeit konzentriert er sich seit 1989 auf digitale Arbeitsmittel sowie Consulting für digitale Gestaltung und graphische Produktion und die Durchführung von Seminaren zur computergestützten Gestaltung. (Quelle: ›› Videor Art Foundation)


In der o. a. Coverstory – aus der auch das zweite Bild links stammt – macht Wiedl eine interessante Aussage über den Sinn seiner Bilder: “Oft sitze ich wochenlang über einer Stelle und tausche ein Teilbild immer wieder aus, suche nach anderen Zeitungsausschnitten, Abbildungen oder krame in meinem Bildarchiv. Es muss unmöglich werden, über einen Sinn ins Bild einzusteigen.” Das hört sich verwirrend und befremdlich an – steht doch der Beschauer immer vor Bildern und versucht, den Sinn zu sehen, herauszufinden, “was der Künstler sich dabei gedacht hat”. Das dies bei Wiedl anders ist, liegt an seiner beruflichen Entwicklung, denn fast wäre der Künstler (Berufs-)Philosoph geworden. Er hörte Adorno als Gasthörer und befasste sich mit Focault, Becket, Döblin … bis hin zu Marcel Duchamp, den Dadaisten, Warhol und Rauschenberg. In diesen unterschiedlichen Ideenwelten findet sich der Grundstein für seine künstlerische Entwicklung: Die Infragestellung (und teils Ablehnung) dessen, was wir Wirklichkeit nennen. Um sich die Bilder von Wiedl zu erschließen, muss man sich selbst einbringen, wie er sagt.
Einen Schub bekam seine Arbeit mit der Digitalisierung, dem Einsatz von Photoshop. Hatte er davor noch mühsam die einzelnen Collagen zusammengeklebt, danach fotografiert und auf Leinwand projiziert, eröffneten sich nun ganz andere Möglichkeiten. Wiedl: “Mit meinen Eingriffen fange ich da an, wo Photoshop aufhört”. Ich fühle, also bin ich. Soviel Wirklichkeit muss sein.
Für alle Interessierten, die mehr über Jean-Claude Wiedl erfahren möchten, habe ich ein paar Links zusammengestellt:
Verweise, Links und Quellenangaben:
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